Rechtliches

Wer darf in Deutschland Heilpraktiker für Psychotherapie werden?
In Deutschland darf jeder Heilpraktiker für Psychotherapie werden, wer folgende Voraussetzungen erfüllt:
 
  • Sie müssen das 25. Lebensjahr vollendet haben.
  • Sie müssen mindestens einen Hautschulabschluss nachweisen.
  • Sie müssen ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Bescheinigung aus dem Melderegister beziehungsweise eine Meldebescheinigung (im Original und nicht älter als 3 Monate) vorlegen.
  • Sie müssen sich von einem Arzt bestätigen lassen, dass Sie psychisch und körperlich in der Lage zur Ausübung dieser Tätigkeit sind. Ebenso muss bestätigt werden, dass Sie suchtfrei sind.

Prüfung bestanden – Was nun?

Wenn man als Heilpraktiker/in für Psychotherapie arbeiten möchte, ist es notwendig, nach dem Heilpraktikergesetz (s.u.) sogar verpflichtend vorgeschrieben, eine feste Praxisadresse beim Gesundheitsamt anzumelden. 

Folgende Versicherungen/ Anmeldungen sind verpflichtend bzw. dringend anzuraten:

  • Beitritt zur bgw-online.de (gesetzliche Unfallversicherung)
  • Betriebshaftpflichtversicherung (empfohlen)
  • GEZ (verpflichtend, auch wenn kein Radio etc. in der Praxis vorhanden ist)
  • Krankenkasse (… bei der KK, PKV eigenen nachfragen. Es gibt unzählige Faktoren, die hier eine Rolle spielen)
  • Rentenversicherung (verpflichtend für Coach, Berater, Dozent, Trainer, etc.)
  • ggf. wird die Tätigkeit als Heilpraktiker/in für Psychotherapie nebenberuflich durchgeführt, dann muss sie dem Arbeitgeber gemeldet werden. Es sind maximal 8 Stunden/ Woche  nebenberuflich möglich, sofern das Nebenamt nicht mit dem Hauptamt im Widerspruch steht.
  • Beitritt zu einem Berufsverband (freiwillig)

Wie darf sich ein Heilpraktiker für Psychotherapie bezeichnen?

Die Berufsbezeichnung für den Heilpraktiker für Psychotherapie kann vielseitig sein:

  • Heilpraktiker für Psychotherapie
  • Heilpraktiker für Psychotherapie nach dem HPG
  • Heilpraktiker begrenzt auf das Gebiet der Psychotherapie
  • Heilpraktiker für den Bereich Psychotherapie
  • Psychotherapeutischer Heilpraktiker
  • Heilpraktiker Psychotherapie
  • Kleiner Heilpraktiker
  • Psychotherapeutischer Heilpraktiker

Das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) vom 1.1.1999 schützt die Bezeichnung „Psychotherapeut“. Diese Berufsbezeichnung darf ausschließlich mit einer Approbation auf dem psychotherapeutischen Gebiet geführt werden.

Auch ist die Bezeichnung „Heilpraktiker“ ohne die Angabe der Beschränkung auf den Bereich der Psychotherapie unzulässig, wenn die amtsärztliche Überprüfung nur zu diesem Bereich erfolgreich statt gefunden hat.


Welche Informationen gehören auf ein Praxisschild?

Ein Praxisschild sollte unaufdringlich gestaltet werden und die ortsüblichen Maße von 35 cm x 50 cm nicht überschreiten.

Der Namen, Titel (bei mit medizinischen Dr.Titeln ist die Fachrichtung mit anzugeben) und die Berufsbezeichnung sind anzugeben. Auch darf die Bezeichnung z.B. „Psychotherapeutische Praxis“ auf dem Schild stehen.

Es sollten höchstens drei Therapieverfahren genannt werden.

Bei Bedarf können auch weitere Angaben z.B. zu den Öffnungszeiten mit auf das Praxisschild.


Wie darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten?

Zunächst muss eine Heilerlaubnis beschränkt auf dem Gebiet der Psychotherapie erworben werden. Diese erhält man nach einer bestandenen Überprüfung beim Gesundheitsamt. Diplompsychologen und Psychologiemaster erhalten die Heilerlaubnis ohne vorherige Überprüfung beim Gesundheitsamt. Der erfolgreiche Abschluss des Studiums ist ausreichend.

Anschließend darf der Heilpraktiker für Psychotherapie in eigener Praxis psychotherapeutisch tätig werden. Dies bedeutet auch, dass er nicht umherziehen und seine Hilfe anbieten darf. Wie die Praxis ausgestattet sein muss, hängt vom jeweiligen Gesundheitsamt ab. Die Räume müssen mindestens den hygienischen und gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Gemäß § 14 Abs. 1 des Gesundheitsdienstgesetzes ist der Heilpraktiker für Psychotherapie verpflichtet, den Beginn und das Ende seiner freiberuflichen Tätigkeit dem öffentlichen Gesundheitsamt anzuzeigen. Ein formloses Schreiben mit Datum des Beginns/ des Endes der Tätigkeit und der Praxisadresse sind ausreichend.

Ein Heilpraktiker für Psychotherapie unterliegt der zivilrechtlichen SCHWEIGEPFLICHT und muss diese auch in seinen Räumen gewährleisten können.

Ein Heilpraktiker für Psychotherapie hat eine sogenannte Therapiefreiheit und darf seine Therapieverfahren auf den Patienten abstimmen. Er hat jedoch die SORGHALTSPFLICHT, die besagt, dass er in den verwendeten Therapieverfahren auch umfassend ausgebildet sein sollte. Ein Psychologischer Psychotherapeut (ein Kassentherapeut) hingegen, darf nur das sozialrechtlich anerkannte Verfahren anwenden,  welches er als Spezialisierung erlernt hat. Dies schränkt ihn bei der Auswahl der besten Therapiemöglichkeit auf seine erlernten verhaltenstherapeutischen oder psychoanalytischen oder tiefenpsychologisch fundierte psychotherapeutische Interventionen ein.

Der Heilpraktiker für Psychotherapie hat eine sogenannte DOKUMENTATIONSPFLICHT. Das bedeutet, dass er zu jedem Patientenkontakt eine Aktennotiz zu machen hat, welche 10 Jahre verschlossen archiviert werden muss. Diese sollte nachvollziehbar und verständlich sein. Zur Sicherheit für den Therapeuten scheint es besonders empfehlenswert zu sein, Notizen bezüglich der Auskunft über vorherige ärztliche Abklärungen, Hinweise bezüglich der Konsultation anderer Kollegen, Hinweise zur Rechnung, Kostenübernahme etc. zu vermerken.


Wie verhält es sich mit Werbung?

Da hier häufig Änderungen veröffentlicht werden, empfiehlt es sich, vor der Praxiseröffnung Beratungen beim Ordnungsamt,  beim Steuerberater sowie einen Versicherungsfachmann einzuholen.

Werbung ist erlaubt. Grundsätzlich hat der Heilpraktiker für Psychotherapie das Recht, über seine Dienstleistungen sachlich zu informieren. Er muss jedoch bestimmte Regeln beachten:

  • unzulässig sind Heilungsversprechen oder irreführende Werbung
  • unzulässig ist vergleichende Werbung
  • unzulässig ist übertreibende Werbung
  • Fachbegriffe müssen verständlich erläutern sein
  • unzulässig sind Rabatte, Werbegeschenke etc.
  • unzulässig ist die Werbung mit abstoßenden Bilder oder Krankheitsgeschichten
  • Worte wie z.B. „… hilft bei“, „…“wirkt bei“ sollten ersetzt werden durch z.B. „… wird behandelt mit …“
  • Worte wie z.B. „immer“, „stets“ sollten ersetzt werden durch z.B. „können auch eingesetzt werden bei …“

Werbung bezüglich der  Behandlung von meldepflichtigen Infektionserkrankungen, Krebserkrankungen, komplizierten Schwangerschaftserkrankungen und Suchterkrankungen (ausgenommen der Nikotinsucht) ist verboten.


Welche Gesetze sind für den Heilpraktiker für Psychotherapie wichtig?

Das Heilpraktikergesetz (von 1939!!)

Das Gesetz regelt, die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung.

Das Psychotherapeutengesetz (PsychThG)

Das Gesetz über die Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten regelt deren Einsatzmöglichkeiten.

Das Betreuungsgesetz

Das Gesetz regelt, wie Volljährige, die nicht mehr selbstständig leben können, behördlich unterstützt werden.

Das Gesetz für Psychisch Kranke (PsychKG)

Besonders der Dritte Abschnitt, der die Unterbringung gegen den eigenen Willen regelt, ist für den Heilpraktiker für Psychotherapie von Bedeutung.

So ist eine Unterbringung oder umgangssprachlich „Einweisung“ nur dann gegen den eigenen Willen möglich, wenn (nicht entmündigte) Betroffene „durch ihr krankheitsbedingtes Verhalten ihr Leben, ernsthaft ihre Gesundheit oder besonders bedeutende Rechtsgüter anderer in erheblichem Maße gefährden und diese Gefahr nicht anders abgewendet werden kann.“

Das Gesetz über die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens (HWG, besonders § 3)

Das HWG klärt über mögliche Werbemaßnahmen und deren Grenzen für Heilpraktiker für Psychotherapie auf.

Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG, besonders § 1 und § 3)

Dieses Gesetz dient dem Schutz der Mitbewerber und der Verbraucher.

 


Was ist der Unterschied zwischen einem Heilpraktiker für Psychotherapie und einen Psychiater, Psychologischen Psychotherapeuten?

Heilpraktiker für Psychotherapie

Ausbildung: als Fernstudium, als Präsenzstudium oder autodidaktisch

Interventionsformen: freie Wahl (Gestaltherapie, Hypnose, Gesprächstherapie, …)

Abrechnung: Selbstzahler, evtl. private Versicherungen

Gebührenordnung: GeBüH (Aber kein MUSS. Ein HPP kann seine Gebühren selber festlegen. Er muss sie aber im Vorfeld dem Patienten transparent machen.)

Einschränkungen: suizidale Patienten (HPP dürfen keine Gefährdung der Volksgesundheit sein), Psychosen, wie z.B. Sucht, Demenz, Schizophrenie dürfen nur supportiv, begleitend zur ärztlichen oder psychiatrischen Behandlung erfolgen, keine Medikamente verschreiben/ geben bzw. diesbeüglich beraten

 

Psychiater

Ausbildung: Medizinstudium, 5-jährige Facharztausbildung für den Bereich Psychiatrie mit Approbation

Therapieformen: eher die medikamentöse Begleitung einer Therapie

Abrechnung: Selbstzahler, private Versicherungen, gesetzliche Krankenkassen

Gebührenordnung: GOÄ

Einschränkungen: keine

 

Psychologischer Psychotherapeut

Ausbildung: Psychologiemasterstudium, 3-5- jährige Weiterbildung mit Approbation

Therapieformen: sozialrechtlich anerkannte Verfahren (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie)

Abrechnung: Selbstzahler, private Versicherungen, gesetzliche Krankenkassen

Gebührenordnung: GOP

Einschränkungen: keine Medikamente verschreiben/ geben